Kunst-Briefmarkensammlung: Alpenpost mit Künstler Guido Gisler
Sammlung Alpenpost
Eine Idee wird zum Projekt
Lassen wir den Künstler Guido Gisler sprechen …
Art 2300, eine Bilderausstellung mit dem Ziel, Bergbilder den Berglern vorzustellen, bildete den Grundstein.
In der Hütte Rugghubel fand das Happening "Oben malen, runtertragen, einrahmen, rauftragen" seine Vollendung. Die Auseinandersetzung mit den Elementen Berg, Wetter und Malerei begann mich zu faszinieren.
Als spannend erweist sich die physische und psychische Anspannung zur Erreichung eines dokumentarischen Meisterwerks unter schwierigsten Umständen. Auf der suche nach dem aussergewöhnlichen kam ich zur Idee, alle SAC-Hütten der Schweiz zu malen. Ein solches Projekt erfordert völlige Ungebundenheit, eine grosszügige Partnerin zur Sicherung eines finanziellen Rückhalts, überdurchschnittliche Fitness und viele spezielle Möglichkeiten zur malerischen Umsetzung.
Zigeunerleben
Das Zigeunerleben mit wenig Schlaf und stetem Unterwegssein, sprunghaftes wechseln und Anpassen auf neue Bedingungen, konzentriertes Arbeiten bis hin zur völligen Erschöpfung, kann ich nur mir zumuten. Morgens zwischen 4.00 und 6.00 Uhr starte ich zum durchschnittlich zweieinhalbstündigen Hüttenaufstieg, von dem ich mich dann bei grösster Konzentration auf das Malen während 8-10 Stunden „erholen“ kann. Dann folgt der rasante Abstieg, die weitere Planung und Dislokation mit dem Auto zum nächsten Ausgangsort, wo ich zwischen 24.00 und 04.00 meine Nachruhe fand. Auf diese Weise liegt das Dokumentieren von 28 Hütten im Sommer im Bereiche des Möglichen.
Vom leeren Blatt zum fertigen Bild
Ein Schöller Aquarellblock mit unendlicher Beständigkeit dient mir als bestens geeigneter Malgrund. In Holz gefasste Pastellkreiden erlauben mir, den Berg in seiner ganzen Kraft, Dynamik und Farbigkeit wiederzugeben. Für die Hütte mit ihren jeweiligen unzähligen Farbnuancen, die hundertfach neu gemischt werden müssen, eignet sich Acrylfarbe bestens. Diese Farbe auf der Basis von flüssigem Kunststoff ist zwar matter als Ölfarbe, trocknet aber äusserst schnell, was sich als Vorteil für den Transport in den Bergen erweist. Die trockene Bergluft lässt die Farbe vielfach gleich am Acrylhaarpinsel trocknen, so dass dieser nur drei Bilder übersteht. Mit einer Feder nachgezeichnete Konturen bringen die Einzelheiten noch stärker zur Geltung. Zur Sicherheit von Regen und Gewitter wird das fertige Werk noch mit Fixaktiv geschützt.
In Dankbarkeit vom Traum zum Ziel
(von Franz Galliker)
Guido Gisler war der erste Schweizer, der alle 163 SAC-Hütten, die sich in Höhen zwischen 1500 m und 4000 m befinden, vor Ort auf malende Art festhielt. Für dieses Ziel hat er während 5 Jahren rund 200'000 Höhenmeter zurückgelegt. Die vorangegangene Malerei, Bergsteigerei sowie der starke Wille bewogen ihn dazu, dieses scheinbar unmögliche Ziel ins Auge zu fassen. Alle fotografischen Nachteile umgehend, bietet sich Guido Gisler die Möglichkeit, die Hütte in genauesten Farben, im besten Licht sowie von der architektonisch spannensten Seite darzustellen.
Dank von Guido Gisler
Meine Lebensgefährtin Erika und die Hüttenwarte sowie die Firma InterPhil GmbH in Rossrüti und damit die Familie Galliker, verdienen für die Unterstützung dieses Projektes meine tiefste Dankbarkeit.
Lieber Franz
Die Fünffingerstöcke am Sustenpass
sollen Dich immer wohltuend an unse
erstes gemeinsames Projekt "Alpenpost"
erinnern!
Du hast dieses Bild verdient, indem Du
mit deinen Ideen meine Arbeit zur
Entfaltung bringst.
Ich achte Dich als grossen Föderer und
widme Dir dieses Bild in Dankbarkeit
und Anerkennung

Nachruf von einem guten Freund
(von Franz Galliker)
Sonntagsblick 15. September 1996: "Vor Guido ist keine Hütte sicher".
Ich erinnere mich an den 15. September 1996 wie er gestern gewesen wäre. Damals erschien in der Schweizerischen Zeitung "Sonntags-Blick" ein doppelseitiger Artikel unter dem Titel: "Vor Guido ist keine Hütte sicher". Das war für mich der "Kick". Schon lange hatte ich die Idee und ein Projekt in der Schublade mit dem Thema Alpenpost. Ich habe dann sofort Guido Gisler ausfindig gemacht und mit ihm einen Termin vereinbart. Ich fuhr dann mit Anzug und Kravatte nach Ebikon (LU) um Guido zu treffen. Beim Mittagessen wurden wir uns dann schnell einig, dass ich für die InterPhil GmbH Rossrüti die einmaligen Künstlerrechte auf dem Bereich Philatelie, Numismatik und Pins erworben hatte. Auch Guido hat dieses Treffen nie vergessen und für ihn war es sozusagen ein Neustart in seinem bisherigen Leben. (Nur nebenbei, die Kravatte hatte ich dann noch vor dem Mittagessen ausgezogen)
Im Eilzugstempo entwickelten wir die Sammlung Alpenpost mit der Wiedergabe sämtlicher SAC-Hütten als farbiges Cachet auf den Briefumschlägen, mit den Stempeln der entsprechenden SAC-Hütte und den Ortsstempeln des nächstgelegensten Postamtes. Die Sammlung hatte sich innert Kürze zu einem Riesenerfolg entwickelt.
"Erfolgsgekrönt" haben wir uns natürlich weiteren Projekten zugewendet. Guido Gisler gelang es damals, meine 18 - 20 Stunden Arbeitstage zu unterbrechen um mich ins Gebirge und auf Albhütten zu entführen.
Dabei entstanden sehr viele interessante Gespräche und neu Ideen, wie zum Beispiel das Projekt Med-Alpin.
Guido Gisler und ich hatten viele Gemeinsamkeiten. Beide von uns wollten in irgend welcher Form Erfolg haben. Unser Zweiergespann und die Zusammenarbeit war perfekt. Guido verstand es ausgezeichnet, meine "spinnerischen Ideen" graphisch umzusetzen. Er war einer der wenigen Grafiker, der auf die Wünsche des Auftraggebers einging und dies auch umsetzen konnte was ihm natürlich auch zusätzlichen Erfolg einbrachte.
Guido wurde zum "Hausgrafiker" der Firma InterPhil GmbH. Durch diese Beziehungen konnte er auch auf dem Gebiete der Philatelie und Numismatik auch für viele andere Firmen arbeiten. Erwähnen möchte ich dabei die bekannte Firma Groth in Unterägeri, Philmail AG in Hägendorf, Göde Aschaffenburg, Helvetisches Münzkontor, Handelskontor Helvetia und andere Firmen.
Guido Gisler ist am 10. November 2008 im Alter von 48 Jahren von uns gegangen. Er war darauf vorbereitet. Seine langjährige Krankheit Krebs hatte sein Leben eingeholt. Er besuchte uns noch an der Costa Blanca, um sich für die gute Zusammenarbeit zu bedanken und sich von uns zu verabschieden.
Bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen:
Guido, Du bist weit weg – und bleibst doch unter uns.
(Franz Galliker, Juni 2009)
Weitere Informationen
Weitere Informationen zu Guido Gisler und der Alpenpost finden Sie in dem PDF-Dokument » Guido Gisler und die Alpenpost
Anmerkung:
Die Originale der 163 Bilder des Künstlers Guido Gisler befinden sich heute in der umfangreichen Kunst-Sammlung von Franz + Gerda Galliker.




